Aus einem Zeitungsausschnitt im Südkurier vom 21.5.1966
Bauernhöfe im Landkreis Waldshut (3):
„Closenhof“ leitet sich von Klause ab
Zum drittenmal veröffentlicht heute der SÜDKURIER einen Beitrag über die alten Bauernhöfe im Landkreis Waldshut. Das erstemal war vom Alkenhof auf der Gemarkung Küssnach die Rede, am vergangenen Samstag wurde der Mesnerhof in Höchenschwand unseren Lesern vorgestellt und diesmal steht der Klosenhof in Detzeln für ein neues Kapitel unserer Heimatgeschichte.
w—l. Als der Edle Marquard, der
einem
nicht näher bezeichneten adeligen Geschlecht angehörte, in
der ersten Hälfte
des 12. Jahrhunderts bei dem damals „Tezilnheim“ geschriebenen Dorf ein
Kloster gründete, schien Detzeln im unteren Steinatal dazu
bestimmt, eine
geschichtlich bedeutsame Zukunft als Sitz dieser klösterlichen
Niederlassung zu
haben. Aber schon nach kurzem Bestehen wurde das Chorherrenstift der
Augustiner
Ende des 12. Jahrhunderts von Detzeln nach Riedern am Wald verlegt,
dessen
Pfarrkirche mit ihren einträglichen Einkünften dem Kloster
einverleibt worden
war.
Die Erinnerung an diese Klosterzeit hält der nördlich vom
Dorf gelegene ,,Klosenhof“
oder Closenhof wach, dessen Name sich von Klause (Kloster) herleitet.
Zusammen
mit der auf einem kleinen Hügel gelegenen Oswaldkapelle steht das
alte Hofgut
auf dem einst vom Kloster überbauten Gelände, wo aller
Wahrscheinlichkeit nach
der adlige Stifter seinen Stammsitz gehabt hatte.
Auf einen früheren Adelssitz weist auch der 1341 angeführte
„Burgstall an
der Wuhr“ hin, und immer wieder treten bei Grabungen Mauern zutage, die
auf
diese Burganlage schließen lassen. Die Kapelle lässt sich
seit Anfang des 16.
Jahrhunderts als Besitz des Klosters Riedern nachweisen und wurde 1582
neu
aufgebaut. Der hl. Oswald, dessen Fest am 5. August gefeiert wird,
wurde auch in
dem um die gleiche Zeit wie die Zelle Detzeln gegründeten
Frauenkloster Berau
besonders verehrt. Bewogen durch den Tod seiner Gattin und seiner
Kinder und
besorgt um sein und ihr Seelenheil, hatte Marquard das Kloster
gegründet und
ihm zum Unterhalt aus seinem Besitz im Alb- und Klettgau Güter und
Einkünfte
in Grießen, dem benachbarten, heute aber untergegangenen
Münchingen,
Bergöschingen, Weilerhof, Reute, Raßbach und Riedern am Wald
zugewiesen. Bis
zu seinem Ableben bezog er die Einkünfte aus der Schirmvogtei.
Nach dem Tode Marquards nahm König Konrad III. durch eine am 7.
Januar 1152 in
Konstanz ausgestellte Bestätigungsurkunde die Klostergründung
unter
königlichen Schutz und sicherte ihr für alle Zeiten den
bestehenden Besitz und
Zehntfreiheit zu.
Die wichtigste Bestimmung dieser Urkunde aber ist die Übertragung
der
Schutzvogtei über das Kloster an Konrad von Krenkingen, der
dadurch als treuer
Gefolgsmann der Zähringer eine wertvolle Hilfe bei der
Begründung der
Hausmacht der Krenkinger erhielt.
Die Schutzvogtei wurde jeweils dem erstgeborenen Sohn als Nachfolger
Konrad von
Krenkingens übertragen, doch durfte kein Untervogt bestellt
werden. Sollte der
Schutzvogt dem Kloster Unrecht tun und es trotz wiederholter Mahnung
nicht
wiedergutmachen, konnte er abgesetzt und von Probst und Kloster ein
anderer Vogt
aus dem Geschlecht der Krenkinger gewählt werden. Bei der
Ausfertigung der
bedeutsamen Königsurkunde waren die Bischöfe von Konstanz,
Basel und Chur, die
Äbte von Reichenau, St. Gallen, Murbach, Petershausen und St.
Ulrich, der wenig
später als Nachfolger König Konrads zum Kaiser gewählte
Herzog Friedrich von
Schwaben, der Herzog von Burgund und Vertreter der bedeutenden Grafen-
und
Adelsgeschlechter von Baden, von Lenzburg, von Nellenburg, von
Pfullendorf und
von Dillingen als Zeugen zugegen. In Urkunden des Klosters
Allerheiligen in
Schaffhausen wird 1166 nach dem 1152 genannten Abt Albert als letzte
Beurkundung
für das Bestehen des Klosters in Detzeln der Abt Gerlo
angeführt. Bis 1415
übte Johann von Krenkingen die Vogtei über das
Augustinerstift in Riedern aus,
zu welchem bald nach der Verlegung auch ein Frauenkloster
gegründet worden war.
1417 wurde Landgraf Johann von Lupfen die Vogtei übertragen, deren
Rechte zu
Anfang des 17. Jahrhunderts an das Haus Fürstenberg
übergingen.
Durch alle Jahrhunderte
bezeugte das
Augustinerchorherrenstift St. Marien in Rindern eine besondere
Verbundenheit mit
dem Ort seiner ursprünglichen Gründung und hielt Kapelle und
Hofgut in
besonderen Ehren. 1423 wurden das „Bruderhäusle“ und das
„Gütle“ bei
der Kapelle durch Probst Räntzer an Hänsle Hirt von Riedern
verliehen. Er
sollte sie in gutem Stand halten, „damit der Probst und die
Klosterfrauen,
wenn sie in ihre am Tierberg gelegenen Reben wollten, darin Stube,
Kammer und
Kost haben konnten“.
Das Dorf Detzeln war inzwischen aus dem Besitz der immer mehr verarmten
Freiherren von Krenkingen an die Herren von Hohenfels und über
Zürcher und
Schaffhauser Patrizierfamilien an die Herren von Rumlang gekommen, die
es 1480
an das Kloster St. Blasien verkauften.
Die Weiterführung der Tradition des alten Klosterhofes im Sinne
der Vorfahren
liegt heute in den Händen von Gustav Hilpert von Indlekofen, der
mit Luise geb.
Albicker verheiratet ist. Die Albicker sind ein alteingesessenes
Geschlecht, das
aus dem „Hirschen“ in Endermettingen stammt. Der älteste dort
bekannte
Namensträger Hans Jörg Albicker begegnet uns schon um das
Jahr 1600 als
Hirschenwirt. Der 1728 geborene Sohn des Gallus Albicker
begründete das
Schwerzener Albicker Geschlecht auf dem Gasthaus „Zum Adler“, dessen
Besitzer heute Armin Albicker ist. Der letzte Albicker auf dem
Klosterhof in
Detzeln war August Albicker, der am 10. Juni 1939 verstorben ist. Seine
Frau Maria
geb. Albrecht starb am 18. Februar 1966. Sie besorgte mit
großer Liebe und
Sorgfalt das Schmücken der Hofkapelle, läutete zur Betzeit
und wenn im Dorf
jemand starb, „ins End“, wie man volkstümlich sagt. Dabei werden
auch heute
noch fünf Vaterunser und das Glaubensbekenntnis gebetet und nach
jedem der
Gebete das Läuten kurz unterbrochen.
Im Innern der Kapelle lesen wir: „Hier ist nichts anderes als Gotteshaus und die Pforte des Himmels.“ Seit 1956 wird das Betzeitläuten in der neuen Dorfkapelle Maria Frieden besorgt. Doch einen Todesfall kündet immer noch das kleine Glöcklein der alten Klosenhofkapelle. Die große Glocke musste im Krieg abgegeben werden. Die Kapelle mit der Jahreszahl 1582 steht unter Denkmalschutz und hat eine Renovierung dringend notwendig.
In der großen Bauernstube
hängt im
Herrgottswinkel ein altes Holzkreuz. Ein behäbiger Bauernstuhl
erinnert mit den
Buchstaben X.A. und M.G. aus dem Jahre 1813 an den Urahn Xaver Albicker
und
Maria geborene Gantert. Auch eine alte Schwarzwälder Uhr
kündet noch
bedächtig die Zeit. Die Ofenbank ist, wie es früher
üblich war, als
Stiefelknecht zu gebrauchen. Zum Kartoffelausfahren ist noch ein
„Usfahrpflug“
mit Jahreszahl erhalten. Einer der Klosterhofbauern machte den 70er
Krieg mit
und wurde später Bürgermeister von Detzeln. Die Frauen im
Klosenhof trugen
einst wie in der ganzen Gegend die Schwarzwaldtracht mit der
Bändelhaube. Wie
malerisch schön sind doch Mädchen und Frauen in der
Heimattracht!
Rund um den alten Hof findet sich starkes Mauerwerk bis zu anderthalb
Meter
Stärke im Boden. Bei Bauarbeiten wurden vor Zeiten ein wohl
silberner Löffel
mit eigenartiger Form und fremden Zeichen gefunden. Leider aber ist das
seltene
Fundstück wieder verlorengegangen. Sicher birgt hier der Rasen
noch manches
Geheimnis. Brandreste weisen auf einen früheren Brand hin. Der Hof
war wie alle
Häuser im Dorf einst mit Stroh gedeckt. In der Küche befand
sich ein offener
Rauchabzug, eine sogenannte „Hurd“, zum Speckräuchern.
In Gedanken versunken stehen wir auf dem hohen Felsen über der Steina und schauen zurück in die reiche geschichtliche Vergangenheit des jahrhundertealten Klosenhofes.
Hans Matt-Willmatt