Aus einem Zeitungsausschnitt im Albbote vom 8.3.2003
VON RICHARD KAISER
zu den Bildern von der Burgruine Hauenstein
Intakte Burgen und Schlösser vermitteln Romantik, Burgruinen bergen
dagegen eher Geheimnisvolles und Schicksalhaftes — wie etwa die Burgruine
Hauenstein mit ihren bis zu sieben Meter hohen und drei Meter starken Außenmauern
auf einem steilen Gneisrücken hoch über dem Rhein. Die Feste
brannte 1503 nieder; doch die Grafschaft Hauenstein existierte noch bis
ins Jahr 1806.
Die Burg Hauenstein gab nicht nur der unter ihr liegenden,
einst kleinsten Stadt Deutschlands ihren Namen, sondern auch dem Verband
der acht Einungen, dessen Gebiet dem heutigen Hotzenwald entspricht und
damals als Grafschaft Hauenstein bezeichnet wurde.
Wann genau die Burg gebaut wurde, lässt sich
heute nicht mehr ergründen. Sie stand jedoch bereits 1108, und zwar
dort, wo das Rheintal sehr eng ist, wo man also die unter Ihr verlaufende
wichtige Verkehrsstraße beherrschte und Reichszoll erheben konnte.
Vielleicht wurde aus diesem Grund die Burg errichtet, vielleicht diente sie
aber auch in erster Linie als Ausgangspunkt zur Erschließung des mittleren
Hotzenwaldes. und stand in enger Verbindung mit dem nahe liegenden Hochsal,
das unter fränkischem Einfluss etwa ab dem 10. Jahrhundert dieser Aufgabe
nachkam.
Im Jahre 1215 ist von einem Ritter Luithold von Hauenstein
die Rede, der eine Kapelle zu Ehren des heiligen Josef erbauen ließ,
weil an jener Stelle sein kleiner Sohn einen Sturz aus 30 Metern Höhe
unversehrt überlebte. Ulrich (1290) und Johann von Hauenstein (1316)
wohnten noch auf der Burg; Wilhelm (1368) und Henman (1382) gehörten
ebenfalls noch diesem Geschlecht an, danach kam diese Adelsfamilie in den
Urkunden nicht mehr vor. Sie erwarb alsbald in Säckingen das Bürgerrecht,
wo die heutige Hauensteinstraße noch an ihre früheren Liegenschaften
etwas außerhalb der damaligen Stadtmauer erinnert.
Die Hauensteiner Burg war aber lange Zeit Sitz des jeweiligen Waldvogtes,
der von den Habsburgern, der österreichischen Landesherrschaft, eingesetzt
war und der über die hoheitlichen Rechte des Hauensteiner Landes wachte.
Während man zur Zeit des Grafen Rudolf von Habsburg (1254) noch „von
den Leuten auf dem Wald“ sprach, führte das Gebiet der acht Einungen
zwischen Schwarza und Wehra ab 1383 die Bezeichnung „Vogtei zu Hauenstein“,
aus der 1523 die „Herrschaft Hauenstein“ und 1562 schließlich die
„Grafschaft Hauenstein“ wurde. Sie umfasste die Einungen Dogern, Birndorf,
Höchenschwand, Wolpadingen, Görwihl, Rickenbach, Hochsal und Murg
und existierte als Verwaltungsbezirk noch bis 1806, als das Land Baden gegründet
wurde. Der letzte Waldvogt verließ allerdings bereits 1495 die Hauensteiner
Burg und residierte alsdann in Waldshut.
Die Burg blieb aber weiter bewohnt, bis sie schließlich
1503 durch „Unvorsichtigkeit des Burggesindes in Flammen gesetzt“ wurde:
Frauen hatten auf den Felsen Hanfbündel zum Trocknen ausgebreitet,
auf denen sich Schlangen sonnten. Ein Knecht des Burgschmieds wollte die
Reptilien mit einem glühenden Eisen vertreiben, worauf der Hanf in
Brand geriet. Das Feuer griff rasch auf eine mit Hanf gefüllte Kammer
über, und der größte Teil der Burggebäude - überwiegend
aus Holz erbaut - brannte nieder. Nur ein Wohngebäude blieb verschont
und ein kleiner Turm, der dann als Gefängnis für die Waldvogtei
diente.
1510 bemühte sich Waldvogt Philipp Kuny um den Wiederaufbau und
bat hierfür die Einungen um Geld doch diese lehnten ab. Daraufhin zerfiel
das schon vor dem Brand marode Bauwerk immer mehr. 1644 wurde es von den
Franzosen während des 30-jährigen Krieges wieder instand gesetzt.
Danach kümmerte sich allerdings niemand mehr um das Wahrzeichen des
Hauensteiner Landes. Im Gegenteil: Die in Hauenstein wohnenden Bürger
holten von der Burg immer wieder Steine für ihre Häuser, insbesondere
für den Wiederaufbau ihres 1708 abgebrannten Städtchens. Als Hauenstein
20 Jahre nach der Eröffnung der Hochrhein-Eisenbahn endlich einen eigenen
Bahnhof bekam, erinnerte man sich wieder seiner früheren Bedeutung
als Verwaltungssitz der Grafschaft. Am 15. Juni 1876 lud man daher zu einem
großen Fest auf die „Alt-Graf-Hans’sche Schlossruine“ ein, lag die
neue Bahnstation Albert- Hauenstein doch in ihrer unmittelbarer Nähe.
Nun wollte man doch den Erhalt der Ruine sichern. So wurde 1892 vom Staat
als Eigentümer des Areals eine Konservierung vorgenommen und im Laufe
der späteren Jahre an den steil abfallenden Stellen mit zusätzlichen
Mauerbefestigungen und durch das Anbringen von Eisengeländern und
Stahlseilen für die Sicherheit der Besucher gesorgt. Für sie
ist heute allerdings nur die etwa 35 Meter lange Hauptburg einigermaßen
gut zugänglich. Beim 60 Meter langen, mit Sträuchern ziemlich
zugewachsenen Innenhof der Vorburg erinnern leider nur noch alte, von Kletterpflanzen
überwachsene Mauern an die wechselvolle Geschichte der Festung. Ihre
Reste schlummern seither im Dornröschenschlaf. Eine Erlösung aus
der völligen Überwucherung wäre wünschenswert. Schließlich
zählt die majestätisch thronende Burganlage zu den größten
im Landkreis und war im Mittelalter sogar noch größer als die
Küssaburg. Doch momentan herrscht reiner Verfall vor, selbst die Hinweistafel
auf die Burggeschichte im Innern der Anlage ist völlig marode und kaum
mehr lesbar. Hier wären die Stadt Laufenburg und ehren-amtliche Initiativen
gefordert.
Die Ortschaft Hauenstein verdankt ihre Entstehung
der Burg. Sie erhielt 1317 das Stadtrecht. Aufgrund der topografischen Lage
konnte sich das Zwergstädtchen aber nicht richtig ausdehnen und erlangte
nie die Bedeutung der anderen Waldstädte Bevor Hauenstein. 1972 nach
Laufenburg eingemeindet wurde, war es mit 144 Einwohnern die kleinste Stadt
Deutschlands und ist noch heute mit nur 29,40 Hektar die kleinste Gemarkung
im Land. Große Anziehungskraft hat das alljährlich am Sonntag
nach dem 19. März stattfindende Josefs-Fest.
Als zum Kreuzzug ins Heilige Land aufgerufen wurde, schloss sich auch Luithold
von Hauenstein dem christlichen Heer an. Nach der Rückkehr auf seine
Burg über dem Rhein brachte er einen zum Christentum bekehrten Juden
mit, für den er neben der Josefs-Kapelle eine Klause errichten ließ.
Der Klausner machte aus der ganzen Burghalde einen blühenden Garten
mit wundersamen Pflanzen. Bald kamen die Leute aus der ganzen Umgebung um
bei dem weisen Juden Rat und Hilfe in Krankheiten und anderen Nöten
zu holen. Als der Klausner im hohen Alter starb, wurde er bei der Burgkapelle
begraben.
Die Klause verfiel mit den Jahren, der „Judengarten“
wird aber als Gewann-Name noch heute im Grundbuch und Liegenschaftskataster
geführt.
VON RICHARD KAISER