Gedankenverloren wandern wir durch das landschaftlich so reizvolle
Schwarzatal und halten Ausschau nach den jahrhundertealten
Hofgütern, die aber alle bis auf den Lehenhof, der im Volksmund
als "Schürhof" bekannt ist, untergegangen sind. In den
Aufzeichnungen der einstigen klösterlichen und weltlichen
Grundherren von Leinegg begegnen uns die Namen Eckert, Erne,
Marder, Spillmann und Walde. Das Geschlecht Bachmann von Berau ist mit
dem zuletzt abgegangenen Hof in Leinegg verknüpft.
Der Ursprung der Siedlung Leinegg geht vermutlich auf ein
schloßähnliches Herrengut zurück. Im Jahre 1130
erscheint eine Edle von Leinegg als Meisterin des Frauenklosters Berau,
während ihr Bruder Adalbert als Mönch in das Kloster St.
Blasien eintrat. Damit wäre die uralte Zugehörigkeit des
Hofes in Oberleinegg zu St. Blasien und des Hofgutes in Unterleinegg zu
Berau geklärt. Leinegg gehörte mit Brenden, Staufen,
Bulgenbach und Witznau zur Vogtei Berau. Nach dem Aussterben der Edlen
von Berau übten die Freiherren von Eschenbach die Vogtrechte aus.
Durch Heirat kamen sie in den Besitz der Grafen von Nellenburg und 1287
durch Kauf an die Schaffhauser Patrizierfamilie am Stade. Der
Bürgermeister Johann am Stade verkaufte 1487 die Vogtei Berau mit
allen Rechten an das Kloster St. Blasien, unter dessen Herrschaft sie
dem Obervogteiamt Gurtweil zugeteilt wurde.
Der älteste Lehenbrief über das st. blasianische Erblehengut Leinegg und die Mühle im Fohrenbachtal, die früher zusammengehörten und erst ab 1770 getrennt verliehen wurden, stammt aus dem Jahre 1374. Die Fohrenbachmühle verblieb beim Geschlecht Gerster, während Leinegg an Johann Eckert, den Sohn des Matthäus Eckert, verliehen wurde. Im Vertrag wurde jedoch ausbedungen, daß das Lehen wieder zusammengelegt werden müsse, falls der eine oder andere Teil verkauft werden sollte.
Im
März 1775 wurde Johann Eckert als Lehensträger des
bläsmischen Hofes zu Oberleinegg bestätigt. Schon 1766 hatte
er um die Erlaubnis gebeten, vier weitere Zimmer in das Haus einbauen
zu dürfen, da er für sich, seine Frau, sechs Kinder und die
Dienstboten nur drei kleine Kämmerlein habe. Das Kloster
genehmigte den Einbau unter dem Vorbehalt, daß nie mehr als eine
einzige Haushaltung auf dem Hof untergebracht werden dürfe. 1778
starb Johann Eckert, worauf sein Sohn Matthäus das Lehen
übernahm. Aber schon nach zwei Jahren starb er und
hinterließ Frau, zwei Söhne und sechs Töchter. Seine
Witwe verheiratete sich mit Max Bächle von Remetschwiel, doch
blieb das Recht auf das Erblehen den Kindern aus erster Ehe vorbehalten.
Im Jahre 1800 erteilte St. Blasien Klaus und Matthäus Eckert auf
ihr Ansuchen hin die Erlaubnis, den Hof unter sich zu teilen. Der eine
übernahm die eigenen Güter mit einem Teil der Fahrnisse und
des Viehbestandes, während der andere die Lehengüter mit dem
Haus und den Rest der Fahrnisse und des Viehes behielt. Infolge der
außergewöhnlichen Belastung durch Kriegskosten aller Art
fiel es den beiden Lehensleuten schwer, den Hof zu halten. Da heiratete
Maria Anna Eckert, eine Tochter des Matthäus Eckert, den von
Herrischried stammenden Fridolin Eckert, dessen Vorfahren in der
Geschichte seines Heimatdorfes und des Hotzenwaldes eine bedeutende
Rolle gespielt hatten. Damit begann ein neuer Aufstieg.
Fridolin Eckert brachte in zähem Fleiß das Hofgut wieder
auf seinen früheren Stand. Doch blieb auch er nicht vor
Rückschlägen verschont. So vernichteten Hagel und
Überschwemmung im Sommer 1800 den größten Teil der
Ernte. Fridolin Eckert erlebte aber die Genugtuung, daß ihm vom
Abt von St. Blasien der Hof allein übertragen wurde.
Zu Abgaben an Geld, Frucht und Vieh mußte der Lehensträger
in Oberleinegg jedes Jahr 410 Forellen aus dem zum Lehen gehörigen
Fischwasser in der Schwarza an das Kloster abliefern, während der
Fohrenbachmüller zu seinem Zins noch 350 Fische zu fangen hatte.
Dem Herrischrieder Fridolin Eckert waren aber nur wenige Jahre auf dem
Hofgut beschieden, und schon 1809 mußte er für immer
Abschied nehmen. Seiner Frau hinterließ er die drei
unmündigen Kinder Helene, Jakob und Kolumban. Als Vormund der
Kinder wurde Martin Eckert von Leinegg bestellt, den rechtlichen
Beistand der Witwe übernahm der Gemeinderat Fridolin Hilpert von
Nöggenschwiel.
In der Folgezeit wurde das Gut von der tüchtigen Maria Anna Eckert bewirtschaftet, bis ihr 1829 von der Landesherrschaft der Vorschlag gemacht wurde, das Lehengut loszukaufen. Im Namen der Mutter führte der ältere Sohn Jakob die Verhandlungen mit dem Domänenamt Tiengen. Nach dem am 17. Juli 1830 ausgestellten Kaufvertrag erwarb Maria Anna Eckert das herrschaftliche Erblehengut Leinegg um 310 Gulden und 8 Kreuzer als Eigentum. Der Zehnte mußte weiterhin bis zur allgemeinen Zehntablösung entrichtet werden, ebenfalls die Abgaben an die Pfarrei Nöggenschwiel.
Vom Hofgut
in Unterleinegg, das dem Frauenkloster Berau zinspflichtig war,
berichtet ein Dingrodel aus dem Jahre 1405. Um 1600 werden Martin
Marder und Toni Spillmann als Inhaber des Hofes angeführt, die
jährlich Roggen, Erbsen, Anken (Butter) und Geld an das Kloster zu
liefern hatten. Der Vorname Martin scheint sich seit alter Zeit in der
Familie Marder behauptet zu haben, denn 1692 wird auf dem nunmehr
geteilten Hof mit Georg und Michael Erne wiederum ein Martin
erwähnt. Der Hof war genau hälftig geteilt worden, so
daß jeder etwa 16 Tagwerk besaß und 4 Juchert Ackerfeld zu
bewirtschaften hatte.
1735 waren Josef und Johann Marder
auf dem Hof. Ferner wird Peter Walde erwähnt. Der Berauer
Förster war nicht gut auf ihn zu sprechen und behauptete,
daß er für sein Kübler- und Küferhandwerk das
nötige Holz aus den Klosterwaldungen hole. Der 1806 genannte Peter
Walde war Brunnenmacher und in der ganzen Umgebung als tüchtiger
Handwerker geschätzt. 1806 erscheinen Lorenz Marder und Hans
Martin Ebner als Beisitzer des Hofes in Unterleinegg. Hans Martin Ebner
erwarb 1818 den "Adler" in Weilheim, während sich Johann Marder
von Leinegg 1766 mit der Witwe Magdalena Hilpert geb. Tröndlin in
Weilheim verheiratet hatte und damit in den Besitz eines Teiles des
alten st.blasianischen Fronhofes gekommen war.
Geschlecht um Geschlecht ist aus dem keine Existenz bietenden Leinegg
abgewandert, und nur die alten Leute wissen noch von den letzten
Bewohnern des "Schürhofes" zu erzählen. Sie haben sich nach
Nöggenschwiel und in andere benachbarte Dörfer verheiratet.
Maria Eckert, die sich mit dem einstigen Rößlewirt Herzog in
Nöggenschwiel verheiratet hatte, der später nach Amerika
auswanderte, bekam im Dorf den Hausnamen, "d'Schürmarie". Ihre
Schwester Katharina verheiratete sich mit dem Fohrenbacher
Lehenmüller Eduard Villinger. Die von Kuchelbach stammende Mutter
bekam nach dem Hof den Beinamen "s'Schürwiebli".
Der "Schürhof" wurde vom Staat aufgekauft, die Felder
größtenteils aufgeforstet, in das Haus aber zog der
staatliche Förster ein, bis in Strittberg ein Försterhaus
gebaut wurde, in dem heute Revieroberförster Manfred Aßfahl
wohnt. Der letzte Bewohner des alten Erblehengutes in Leinegg war der
beim Forstamt tätige Straßenwart Josef Maier. Besitzerin des
Hauses ist nunmehr die katholische Pfarrgemeinde Rheinfelden geworden,
die es für Erholungsbedürftige umgestalten möchte.
Anm. der letzte Hof in Leinegg
("Schürhof")
ist im Jahre 1973 abgebrannt.
Auf dem Gelände der ehemaligen Ortschaft Leinegg finden
jährlich Jugendlager statt.
Homepage: http://www.leinegg.de/